Bihunsuppen-Verkauf bei Karstadt
Asiatisches Zeichen

Aus GESCHICHTE wird TRADITION

Eine Suppe ... so köstlich, dass uns der Appetit darauf mitten in der Nacht aus dem Bett treibt? Das schafft nur die Original Bihunsuppe „Indonesia“. Seit über 50 Jahren!

Um es gleich vorweg zu nehmen: Das Wort „Bihun“ hat nichts mit Huhn zu tun. Und schon gar nichts mit zwei Hühnern, wie es unserem pikanten Süppchen oft angedichtet wird. „Bihun“ ist indonesisch und bedeutet Reisnudel oder Glasnudel. Also ist Bihunsuppe eine Suppe aus Glasnudeln, Gemüse, 14 asiatischen Gewürzen, vielen Geheimnissen und, ja, auch mit reichlich Hühnerfleisch. Übrigens ist die Bihunsuppe für Indonesien so typisch wie die Gulaschsuppe für Deutschland.

Aber wie kommt so eine original indonesische Spezialität zu uns ins südniedersächsische Barterode? Dahinter steckt eine fast unglaubliche Geschichte ...

Flucht ins Paradies

Wir schrieben das Jahr 1958 – eine Zeit, in der Deutschland noch aus Ost und West bestand. Damals zog es die zwei abenteuerlustigen Brüder Seekts hinterm sächsischen Ofen hervor in die große, weite Welt. Vom Wunsch nach westlicher Freiheit getrieben, heuerten sie als Schiffskoch und Steward auf einem ostdeutschen Frachter an. Die tropischen Inseln Indonesiens eigneten sich hervorragend als Zwischenstation auf ihrem Weg nach Westdeutschland. Auf Java verdienten sie sich in verschiedenen Hotels und Restaurants das Geld für die Rückreise und verliebten sich dabei unsterblich in die fernöstliche Küche.

Bihunsuppe verzaubert Göttingen

1960 wurde es Zeit, das Paradies wieder zu verlassen. Zum Abschied drückte ihnen ihr letzter Chef ein handgeschriebenes Originalrezept der indonesischen Bihunsuppe in die Hand. Dass dieses Geschenk den roten Faden ihres Lebens bilden sollte, ahnten sie zu dem Zeitpunkt noch nicht.
In ihrer neuen Heimat Göttingen eröffneten sie 1962 in einer ehemaligen Studentenkneipe ihr eigenes kleines Spezialitätenrestaurant: die „Indonesia-Bar“. Und obwohl das platte Land damals der exotischen Kochkunst eher skeptisch begegnete, hatten die kochenden Brüder riesigen Erfolg. Besonders ihre Bihunsuppe nach dem indonesischen Originalrezept schlug ein wie eine (Suppen-)Bombe.

„Dafür stehen Sie sogar nachts auf“

Einige Gäste kamen nur wegen ihrer heißgeliebten Bihunsuppe in die Indonesia-Bar. So auch das junge Pärchen, das vor lauter Appetit auf eine Bihunsuppe zuhause nicht einschlafen konnte. „Aber für eine Bihunsuppe stehen wir sogar nachts auf“, erzählten sie den Brüdern mit wässrigem Munde. Das war die Geburtsstunde des bis heute verwendeten Evergreens unter den Markenslogans „Dafür stehen Sie sogar nachts auf“. Er ziert bis heute jede Bihunsuppen-Verpackung.

Prominenz belebt das Geschäft

Woran lag‘s, dass sich der Geheimtipp „Bihunsuppe“ wie ein Lauffeuer verbreitete? Allein am exotischen Geschmack? Vielleicht! Womöglich kurbelte aber auch die Weltoffenheit einer Universitätsstadt den Absatz tüchtig an. Und sicher belebte auch die damalige Göttinger Prominenz das Suppengeschäft: Schauspieler wie Götz George, der seine Karriere Anfang der 60er Jahre am Deutschen Theater in Göttingen begann, zählten bald zu den Stammgästen der Indonesia-Bar. Und vielleicht ließen sich auch die Kinostars der damals bereits geschlossenen Göttinger Filmstudios gern im exotischen Ambiente der Indonesia-Bar feiern.

Gästebuch-Eintrag von Bill Ramsey
Aus dem Promienten- Gästebuch der „Indonesis Bar“ in der Göttinger Sternstrasse
Südniedersachsen kommt auf den Geschmack

Wie auch immer: Die asiatische Köstlichkeit sprach sich herum. Auch andere Restaurants orderten Bihunsuppe für ihre Gäste. So mussten die Brüder mit immer größeren Mengen in ihrer kleinen Küche herumjonglieren. Passendere Räume fanden sie schließlich in einer ehemaligen Schlachterei, wo sie zweimal die Woche nur für andere Gasthäuser Bihunsuppe kochten. Doch immer mehr Gastronomen hatten „Suppe geleckt“, sodass das Brüderpaar nun rund um die Uhr am Suppentopf stand und die Ware auslieferte. Für ihr eigenes Restaurant blieb bald keine Zeit mehr, es wurde geschlossen.

Bihunsuppe erobert die Welt

Der erste Großauftrag 1971/72 brachte den entscheidenden Durchbruch: Ein großes Göttinger Warenhaus bestellte die Original Bihunsuppe „Indonesia“ tiefgekühlt für seine Feinkostabteilung. Andere Supermärkte folgten. Bihunsuppe boomte! Erst deutschlandweit und bald auch über die Grenzen hinaus. Kein Wunder, das die Suppenküche schon wieder aus allen Nähten platzte. Da bot sich den Brüdern die Gelegenheit, die alte Molkerei in Barterode/Göttingen anzumieten. Sie griffen zu, bauten moderne Großküchen- und Tiefkühlanlagen ein und feierten das neue Firmengelände 1976 mit einem Tag der offenen Tür – unter dem Namen „Bihunfest“. Das war der Startschuss für die alljährliche, schnell liebgewonnene Tradition an jedem 1. Wochenende im Oktober: das Bihunfest.

Luftaufnahme Bihunfest in Barterode 1982
Luftaufnahme Bihunfest in Barterode 1982